Schallschutz im Altbau ohne Großumbau: Vorhänge, Teppiche, Akustikbilder und smarte Details
Warum es im Altbau so laut wirkt (und was realistisch ist)
Altbau-Charme hat oft eine Kehrseite: harte Oberflächen, hohe Decken, Dielen, große Fensterflächen und wenig weiche Masse. Das erzeugt zwei unterschiedliche Probleme, die man getrennt behandeln muss:
- Raumhall (es „klingelt“ im Raum): entsteht durch Reflexionen an Wänden, Boden, Decke.
- Schallübertragung (Nachbarn, Straße): Luftschall kommt durchs Fenster, Körperschall über Boden, Wände, Decken.
Wichtig für die Erwartung: Mit Maßnahmen ohne Umbau bekommst du Raumhall meist deutlich in den Griff. Gegen Schall von außen sind Verbesserungen möglich, aber nicht auf Neubau-Niveau, weil dafür Masse, Dichtung und Entkopplung nötig wären.
Die gute Nachricht: Schon 3 bis 5 gezielte Eingriffe (Textilien, Dichtungen, entkoppelte Möbel, Akustikelemente) bringen in typischen 50 bis 90 qm Altbauwohnungen spürbar mehr Ruhe.
| Problem | Beste Sofortmaßnahme | Typischer Effekt |
| Hall im Wohnzimmer | Großer Teppich + schwere Vorhänge | deutlich weniger „Klingeln“ |
| Straßenlärm am Fenster | Dichtungen prüfen + Kastenfenster-Vorhang | spürbar ruhiger, vor allem hochfrequent |
| Trittschall von oben/unten | Teppiche + Filzgleiter + Entkopplung | Reduktion im Raum, begrenzt zu Nachbarn |

Diagnose in 10 Minuten: So findest du die größten „Lärm-Lecks“
Bevor du Geld ausgibst, mach einen kurzen Test. Du willst herausfinden, ob du primär Hall reduzierst oder Außenlärm blockst.
1) Klatschtest für Hall
- In der Raummitte einmal laut klatschen.
- Hörst du ein Nachklingen oder „Flattern“? Dann fehlt Absorption (Textilien, Akustikflächen).
- Besonders kritisch: leere Wände, Parkett/Dielen, große Fenster, glatte Decke.
2) Lecksuche am Fenster
- Handrücken entlang der Fensterfuge: Zugluft deutet fast immer auch auf Schallleck hin.
- Rolladenkasten: dort kommt häufig ein deutlicher Teil des Lärms durch.
- Prüfe auch die Wohnungstür: Flurhall kann „in die Wohnung“ ziehen.
3) Körperschall-Check
- Stühle schieben, Schritte, Waschmaschine: Wenn es „im Boden“ wandert, brauchst du Entkopplung (Gleiter, Matten, schwere Möbel nicht direkt koppeln).
Merke: Wenn du bei geschlossenem Fenster deutlich mehr Ruhe hast, lohnt sich Fenster-Optimierung. Wenn es trotz geschlossenem Fenster „hallig“ bleibt, sind Textilien und Akustikflächen die schnelle Rendite.
Hall reduzieren: Die vier Maßnahmen mit dem besten Preis-Nutzen-Verhältnis
Für Hall gilt: Fläche schlägt Fancy. Ein kleiner Akustikabsorber bringt wenig, wenn 20 qm Wand und 25 qm Boden hart reflektieren. Starte mit großen, weichen Flächen.
1) Teppich richtig dimensionieren (nicht zu klein)
In der Praxis ist „zu klein“ der häufigste Fehler. Ein Teppich, der nur den Couchtisch trägt, beruhigt den Raum kaum.
- Wohnzimmer: Teppich so groß, dass mindestens die vorderen Sofa-Beine darauf stehen. Häufig passend: 200 x 300 cm oder 240 x 340 cm.
- Essbereich: Teppich mindestens 60 cm über Tischkante hinaus, damit Stühle beim Zurückziehen auf dem Teppich bleiben.
- Material: Wolle wirkt gut gegen Hall, ist robust. Kurzflor ist pflegeleicht. Hochflor dämpft stärker, ist aber empfindlicher.
Budget grob: 150 bis 600 EUR für solide Standardgrößen (je nach Material). Ein guter Teppich ist oft der größte einzelne Hebel gegen Hall.
2) Schwere Vorhänge mit Luftpolster nutzen
Vorhänge helfen doppelt: Sie dämpfen Hall im Raum und nehmen dem Fenster „Härte“ als Reflexionsfläche. Für Außenlärm ersetzen sie kein dichtes Fenster, aber sie verbessern spürbar das Empfinden.
- Stoffgewicht: Zielbereich ca. 250 bis 400 g/qm.
- Aufhängung: Deckenschiene oder Stange möglichst hoch, Vorhang bis knapp über Boden.
- Faltenwurf: 1,8 bis 2,2-fache Stoffbreite sorgt für echte Wirkung.
- Abstand zum Fenster: 5 bis 10 cm Luft dahinter lassen (Luftpolster arbeitet mit).
Praxis-Tipp für Mietwohnungen: Eine Klemmstange ist schnell montiert, aber oft zu instabil für schwere Stoffe. Besser sind Deckenschienen mit Dübeln in der Decke, wenn der Vermieter zustimmt. Alternative: Schienensystem mit wenigen, sauber gesetzten Bohrpunkten.
3) Akustikbilder statt „Schaumstoff-Optik“
Viele wollen bessere Akustik, aber keine Studio-Ästhetik. Akustikbilder (Bedrucktes Textil vor Absorber) sind in Wohnräumen die eleganteste Lösung.
- Platzierung: Große, freie Wand gegenüber von Sofa oder Esstisch. Dort entstehen oft Reflexionen.
- Größe: Lieber 2 große Elemente (z.B. 60 x 120 cm) als 6 kleine.
- Dicke: 4 bis 6 cm funktioniert in der Praxis deutlich besser als 2 cm.
Wenn du DIY magst: Ein Holzrahmen, Akustikvlies oder Steinwolle (staubdicht verpackt) plus Stoffbezug bringt viel fürs Geld. Achte auf saubere Kanten und eine staubdichte Hülle.
4) Bücherregal als Absorber-Diffusor (richtig befüllen)
Ein unregelmäßig befülltes Regal wirkt wie eine Mischung aus Diffusor und Absorber. Entscheidend ist die „Unordnung“ in der Tiefe.
- Bücher nicht alle bündig, sondern unterschiedlich tief stellen.
- Wechsel aus Büchern, Körben, Textilboxen (z.B. Filz) und Deko.
- Regal nicht an die dünnste Wand pressen, wenn du Körperschall vermeiden willst: 1 bis 2 cm Abstand plus Filz an Kontaktpunkten.
Außenlärm und Nachbarn: Was ohne Umbau realistisch funktioniert
Bei Außenlärm zählt in dieser Reihenfolge: Dichtung, Masse, Luftschicht, Entkopplung. Ohne Fenstertausch bleibt es bei Verbesserungen, aber oft reichen die schon, um besser zu schlafen oder konzentrierter zu arbeiten.
Fenster abdichten: Erst die Basics, dann Speziallösungen
- Dichtungen prüfen: Poröse Gummis ersetzen. Das kostet wenig und bringt sofort etwas.
- Schließdruck: Fensterbeschläge lassen sich bei vielen Modellen nachstellen. Wenn der Flügel nicht sauber anliegt, verpufft alles andere.
- Rolladenkasten: Häufiger Schwachpunkt. Innen dämmen (zugelassenes Material), Fugen schließen.
Praxis-Hinweis: Wenn du in Miete bist, dokumentiere Zugluft und Lärm (kurze Videos, Mess-App als Indiz) und sprich den Vermieter gezielt auf Dichtungen und Rolladenkasten an. Das sind typische Instandhaltungsthemen.
Tür zum Flur: Dichtung und Schwelle
Der Flur wirkt oft wie ein Schallkanal. Eine Wohnungstür ohne Dichtung lässt Gespräche, Schritte und Aufzuggeräusche stark durch.
- Türdichtung nachrüsten (umlaufend) und Bodendichtung (Absenkdichtung oder Bürstendichtung).
- Spaltmaß unten prüfen: 5 bis 10 mm sind akustisch viel.
- Schwere Türmatte im Flur innen kann zusätzlich helfen.
Entkopplung im Alltag: Kleine Teile, großer Effekt
- Filzgleiter unter Stühle, Tische, Sofa, Sessel.
- Waschmaschine auf Antivibrationsmatte, Füße sauber ausrichten.
- Lautsprecher auf Entkopplungs-Pads, nicht direkt auf Sideboard.
- Bett mit solider Auflage und ohne „klappernde“ Lattenrost-Auflager.

Raum für Raum: Konkrete Setups für typische Altbaugrundrisse
Wohnzimmer (20 bis 30 qm): Hall runter, Sprache klarer
- 1 großer Teppich (mind. 200 x 300 cm).
- 2 schwere Vorhänge an der größten Fensterfront.
- 1 bis 2 Akustikbilder an der gegenüberliegenden Wand.
- Regal oder Sideboard nicht „leer“ lassen: Körbe, Bücher, Textilboxen.
Typischer Fehler: Nur Kissen und eine Decke aufs Sofa legen. Das ist zu wenig Fläche, der Raum bleibt hallig.
Schlafzimmer (12 bis 18 qm): Ruhe priorisieren
- Vorhänge als „Fensterpuffer“ bis zum Boden.
- Teppichläufer neben dem Bett reduziert Schrittgeräusche und Raumhall.
- Wenn die Wand zum Nachbarn dünn wirkt: Kopfteil nicht direkt an diese Wand pressen, 2 bis 3 cm Abstand plus Filz an Kontaktpunkten.
Praxis-Tipp: Wenn du nachts Straßenlärm hast, ist die Kombination aus Dichtung plus schwerem Vorhang oft die beste Maßnahme unter 200 bis 400 EUR.
Home Office (8 bis 12 qm): Videocalls und Konzentration
- Teppich unter dem Stuhlbereich (Rollstuhlmatte plus Teppich ist oft zu hoch, besser ein flacher Teppich).
- Akustikbild hinter dem Monitor oder seitlich auf Reflexionswand.
- Vorhang oder Stoffpanel am Fenster reduziert harte Reflexionen im Mikrofon.
Wenn dein Mikrofon „hallig“ klingt: Ein einziges Akustikelement hinter dir wirkt oft stärker als eines vor dir.
Flur: Der unterschätzte Lärmverstärker
- Schmaler Läufer mit rutschfester Unterlage.
- Textile Wandfläche: z.B. Garderobenpaneel mit Filz oder dicke Pinnwand.
- Türdichtungen checken, weil der Flur Geräusche in alle Räume verteilt.
Kostenplanung: Drei Budget-Stufen, die in Deutschland realistisch sind
Budget 150 bis 300 EUR: Sofort spürbar besser
- Dichtungen für Fenster oder Wohnungstür (wenn passend) plus ein solider Teppichläufer oder kleiner Teppich.
- Filzgleiter, Antivibrationsmatte.
Budget 300 bis 800 EUR: Wohnraum-Akustik deutlich beruhigen
- Großer Teppich für Wohnbereich.
- Schwere Vorhänge für Hauptfensterfront.
- 1 Akustikbild oder DIY-Absorber.
Budget 800 bis 2000 EUR: Fast „neu gebaut“ im Gefühl (ohne Umbau)
- Teppiche in mehreren Zonen (Wohnzimmer plus Flur plus Schlafzimmerläufer).
- Mehrere Akustikbilder oder Wandabsorber, auch im Home Office.
- Hochwertige Schienen, dichter Abschluss der Vorhänge, ggf. Rolladenkasten-Optimierung.
Typische Fehler, die Geld kosten und wenig bringen
- Zu kleine Teppiche und zu wenig Textilfläche insgesamt.
- „Akustikschaum“ dünn an die Wand in Wohnräumen: optisch schwierig, akustisch oft enttäuschend.
- Vorhänge ohne Faltenwurf (zu wenig Stoff) oder nur bis zur Fensterbank.
- Möbel direkt koppeln: Regal oder Bett klemmt zwischen zwei Wänden und überträgt Körperschall.
- Nur gegen Außenlärm kämpfen, obwohl das Hauptproblem Hall im Raum ist.
Podsumowanie
- Erst unterscheiden: Hall im Raum vs. Außenlärm oder Nachbarn.
- Hall schnell lösen: großer Teppich plus schwere Vorhänge plus 1 bis 2 Akustikbilder.
- Außenlärm: Dichtungen, Schließdruck, Rolladenkasten prüfen, erst dann Textilien als Ergänzung.
- Körperschall: Filzgleiter, Antivibrationsmatten, Möbel leicht entkoppeln.
- Lieber wenige große Flächen als viele kleine „Akustik-Gadgets“.
FAQ
Wie viel bringen schwere Vorhänge wirklich gegen Straßenlärm?
Sie reduzieren vor allem hochfrequente Anteile und das subjektive Lärmempfinden. Bei undichten Fenstern ist der Effekt klein, dann zuerst Dichtungen und Schließdruck verbessern.
Welche Maßnahme hilft am schnellsten gegen Hall in einem leeren Altbauzimmer?
Ein großer Teppich in passender Größe plus Vorhänge an der Fensterseite. Danach gezielt 1 bis 2 Akustikbilder an die größte freie Wand.
Sind Akustikpaneele aus Holzleisten sinnvoll?
Ja, wenn dahinter ein Absorber (z.B. Akustikvlies) sitzt und genug Fläche belegt wird. Reine Holzoptik ohne absorbierende Schicht wirkt vor allem optisch, akustisch deutlich weniger.
Ich wohne zur Miete: Was ist am unkompliziertesten ohne Bohrlöcher?
Teppiche, Filzgleiter, Antivibrationsmatten und freistehende Akustikbilder (angelehnt oder mit Klebehaken, je nach Wand). Für schwere Vorhänge ist Bohren meist sinnvoll, aber mit Vermieterfreigabe gut machbar.

